Sony will ab 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc produzieren – doch ausgerechnet ein ehemaliger hochrangiger PlayStation-Manager hält diesen radikalen Schritt offenbar nicht für alternativlos. Shawn Layden bezeichnet eine Zukunft ohne physische PlayStation-Spiele als „depressing, but solvable“. Noch interessanter: Der frühere PlayStation-Chef nennt sogar einen Weg, mit dem Sony die Disc möglicherweise am Leben halten könnte.
Die Diskussion um Sonys geplanten Abschied von neuen Spielen auf Disc reißt nicht ab.
Diesmal kommt die Kritik allerdings von jemandem, der PlayStation ziemlich genau kennt.
Shawn Layden arbeitete viele Jahre in führenden Positionen bei Sony und war unter anderem Chairman der Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios.
Seine Einschätzung fällt entsprechend deutlich aus.
Eine Zukunft ohne physische PlayStation-Spiele findet Layden bedrückend – gleichzeitig hält er das Problem aber für lösbar.
Sony müsste die Discs vielleicht gar nicht selbst produzieren
Der entscheidende Punkt betrifft Sonys bisheriges Produktionsmodell.
PlayStation-Discs können nicht einfach von irgendeinem beliebigen Presswerk hergestellt werden. Sony verwendet ein eigenes Verfahren und lässt die Datenträger bislang über Sony DADC produzieren.
Wenn Sony diese Produktion für neue Spiele beendet, wird es deshalb schwierig für Publisher, einfach selbst einen anderen Hersteller zu beauftragen.
Doch genau an dieser Stelle setzt Laydens Vorschlag an.
Sony könnte seine Technologie beziehungsweise das Herstellungsverfahren lizenzieren.
Ausgewählte und zertifizierte Unternehmen könnten anschließend weiterhin PlayStation-Discs herstellen.
Sony müsste also nicht zwangsläufig selbst an seinem bisherigen Produktionsmodell festhalten, damit physische PS5- und möglicherweise zukünftige PlayStation-Spiele weiterexistieren können.
Ausgerechnet Xbox zeigt, wie es funktionieren könnte
Vollkommen aus der Luft gegriffen ist dieses Modell nicht.
Microsoft arbeitet bei Xbox bereits mit zertifizierten externen Herstellern zusammen. Publisher können für die Produktion physischer Datenträger auf entsprechende Authorized Replicators zurückgreifen.
Laydens Überlegung läuft darauf hinaus, ein vergleichbares Modell auch bei PlayStation zu ermöglichen.
Sony könnte die eigene Massenproduktion reduzieren oder langfristig einstellen und trotzdem ausgewählten Unternehmen erlauben, physische PlayStation-Spiele herzustellen.
Besonders für kleinere Auflagen und Collector’s Editions könnte das interessant sein.
Wichtig ist allerdings: Layden beschreibt hier eine mögliche Lösung und keinen bekannten Sony-Plan.
Er selbst weist darauf hin, keinen direkten Einblick in sämtliche technischen und vertraglichen Details zu besitzen.
Der ehemalige PlayStation-Chef sieht weiterhin einen Markt
Ein weiteres Argument für den Erhalt physischer Spiele ist für Layden ziemlich simpel:
Die Leute kaufen sie noch immer.
Insbesondere hochwertige Sammlereditionen zeigen seiner Ansicht nach, dass es weiterhin Spieler gibt, die bewusst Geld für physische Produkte ausgeben.
Collector’s Editions kosten teilweise deutlich mehr als die eigentlichen Spiele und enthalten Figuren, Steelbooks, Artbooks oder andere Sammlerstücke.
Trotzdem finden viele dieser Editionen ihre Käufer.
Für Layden hängt das auch mit der grundsätzlichen Sammelleidenschaft vieler Spieler zusammen.
Menschen sammeln Gegenstände innerhalb ihrer Lieblingsspiele – warum sollte dieser Wunsch plötzlich verschwinden, sobald es um die Spiele selbst geht?
Ein gut gefülltes Regal mit Spielen besitzt für diese Zielgruppe einen anderen Wert als eine lange Liste digitaler Lizenzen.
Spart Sony am Ende möglicherweise an der falschen Stelle?
Besonders spannend wird Laydens Argumentation beim wirtschaftlichen Nutzen des Disc-Aus.
Natürlich kann ein Unternehmen ziemlich genau ausrechnen, was die Herstellung, Lagerung und Distribution eines physischen Produkts kostet.
Wer diese Kosten entfernt, spart zunächst Geld.
Layden hält allerdings eine andere Rechnung für mindestens genauso wichtig.
Was kostet es eine Marke, besonders loyale Kunden zu verärgern?
Genau dieser Punkt lässt sich wesentlich schwieriger in einer Tabelle darstellen.
PlayStation besitzt eine jahrzehntelange Geschichte mit physischen Spielen. Viele Fans haben über mehrere Konsolengenerationen umfangreiche Sammlungen aufgebaut.
Wenn Sony diesen Kunden nun signalisiert, dass physische Neuerscheinungen künftig keine Rolle mehr spielen, könnte der kurzfristige wirtschaftliche Vorteil langfristig einen Preis haben.
Layden warnt deshalb davor, ausschließlich auf die unmittelbare Kostenersparnis zu schauen.
„No Disc No Buy“ verschwindet ebenfalls nicht
Dass das Thema innerhalb der Community noch längst nicht erledigt ist, zeigte sich zuletzt erneut.
Während einer State of Play tauchten zahlreiche Kommentare mit der Botschaft „No Disc No Buy“ auf.
Ein Teil der PlayStation-Spieler versucht damit weiterhin, öffentlich Druck auf Sony auszuüben.
Ob dieser Protest tatsächlich Einfluss auf die Entscheidung des Unternehmens haben kann, ist vollkommen offen.
Er zeigt allerdings, dass die Disc-Frage für einen Teil der besonders engagierten PlayStation-Kundschaft weit mehr als eine Diskussion über Verpackungen ist.
Und genau diese Spieler dürfte Layden meinen, wenn er vor möglichen langfristigen Schäden für die Marke warnt.
Denn was gehört euch bei einem digitalen Spiel eigentlich?
Damit landet die Diskussion zwangsläufig bei einem weiteren Thema.
Eigentum.
Eine Disc kann weiterverkauft werden.
Sie kann einem Freund geliehen oder verschenkt werden. Gebrauchte Spiele können Jahre später noch den Besitzer wechseln.
Bei digitalen Spielen sieht das anders aus.
Sie sind an Accounts und die Bedingungen der jeweiligen Plattform gebunden und lassen sich normalerweise nicht einfach weiterverkaufen.
Layden stellt deshalb grundsätzlich die Frage, wie Eigentum in einer vollständig digitalen Spielewelt zukünftig definiert werden soll.
Die Debatte geht damit weit über Nostalgie und hübsche Spielehüllen hinaus.
Sonys Plan bleibt trotzdem unverändert
Bislang gibt es allerdings keinerlei Hinweis darauf, dass Sony seine Entscheidung zurücknimmt.
Der Konzern kündigte an, ab Januar 2028 keine Discs mehr für neu erscheinende PlayStation-Spiele produzieren zu wollen.
Spiele, die bereits zuvor auf Disc veröffentlicht wurden, sind davon nicht betroffen und können weiterhin nachproduziert werden.
Zuletzt sorgte zudem eine wichtige Korrektur rund um Sony DADC für Aufmerksamkeit.
Frühere Berichte hatten den Eindruck vermittelt, das gesamte Produktionsvolumen des österreichischen Werks in Thalgau könnte 2028 auf lediglich zehn Prozent des bisherigen Niveaus abstürzen.
Tatsächlich soll das gesamte Produktionsvolumen zu diesem Zeitpunkt lediglich um rund zehn Prozent sinken.
An Sonys grundsätzlichem Plan für neue PlayStation-Spiele ändert diese Korrektur jedoch nichts.
Warum macht Sony es dann nicht einfach wie Microsoft?
Genau diese Frage dürfte nach Laydens Aussagen noch häufiger gestellt werden.
Wenn externe und zertifizierte Hersteller grundsätzlich eine Möglichkeit darstellen, müsste ein Rückzug Sonys aus der eigenen Disc-Produktion theoretisch nicht automatisch das vollständige Ende neuer physischer PlayStation-Spiele bedeuten.
Sony könnte weiterhin kontrollieren, wer entsprechende Datenträger herstellen darf, ohne sämtliche Produktion selbst übernehmen zu müssen.
Ob dieses Modell technisch, wirtschaftlich und vertraglich tatsächlich so einfach umzusetzen wäre, wie es zunächst klingt, lässt sich anhand von Laydens Aussagen allerdings nicht beantworten.
Und noch wichtiger:
Es gibt derzeit keinerlei Bestätigung, dass Sony diesen Weg überhaupt erwägt.
Brian Crecente fragte PlayStation nach einer möglichen Lizenzierung der Produktion, erhielt darauf jedoch keine Antwort. Auch die von ihm kontaktierten Hersteller berichteten nicht von entsprechenden Gesprächen mit Sony.
Das Disc-Aus wäre also vielleicht vermeidbar – Sony müsste es nur wollen
Genau das macht Laydens Aussagen so interessant.
Der ehemalige PlayStation-Manager fordert nicht einfach, dass alles so bleiben soll wie früher.
Er bringt eine mögliche Alternative ins Spiel.
Sony könnte seine eigene Produktion reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass Publisher über lizenzierte Partner weiterhin physische Spiele oder zumindest spezielle Sammlereditionen veröffentlichen können.
Ob sich ein solches Modell für Sony wirtschaftlich lohnt, steht auf einem anderen Blatt.
Aber die Vorstellung, dass es nach dem Ende der eigenen Produktion zwangsläufig überhaupt keine neuen PlayStation-Discs mehr geben kann, stellt Layden damit zumindest infrage.
Sonys Abschied von der Disc könnte also weniger alternativlos sein, als es zunächst erscheint. Die entscheidende Frage wäre dann nicht, ob physische PlayStation-Spiele nach 2028 noch möglich sind – sondern ob Sony sie überhaupt noch ermöglichen will.
