Call of Duty möchte offenbar ein Stück vom Counter-Strike- und Valorant-Kuchen.
Activision hat mit „Collateral“ einen komplett neuen Multiplayer-Modus für Modern Warfare 4 vorgestellt.
Und wer die Beschreibung liest, dürfte sich ziemlich schnell fragen, ob irgendwo versehentlich die Counter-Strike-Regeln kopiert wurden.
Zwei Bombenplätze.
Angreifer gegen Verteidiger.
Alle starten lediglich mit einer Pistole.
Durch Kills und Missionsziele verdient ihr Geld.
Zwischen den Runden werden Waffen, Ausrüstung und Perks gekauft.
Wer stirbt, verliert sein komplettes Loadout.
Keine Respawns.
Keine Killstreaks.
Keine automatische Gesundheitsregeneration.
Das ist Call of Duty plötzlich mit angezogener Handbremse.
Jeder startet nur mit einer Pistole
Collateral orientiert sich grundsätzlich an Search and Destroy.
Die Teams wechseln zwischen Angriff und Verteidigung und kämpfen um zwei Bombenplätze.
Der entscheidende Unterschied ist allerdings die Wirtschaft.
Spieler starten nicht mit ihrem individuell zusammengestellten Lieblings-Loadout.
Zu Beginn gibt es lediglich eine Pistole.
Durch Kills und das Erfüllen von Aufgaben verdient ihr anschließend Geld.
Dieses Geld bleibt über mehrere Runden erhalten und kann zwischen den Runden investiert werden.
Wer Counter-Strike oder Valorant gespielt hat, dürfte sich jetzt bereits ziemlich heimisch fühlen.
Waffen werden zwischen den Runden gekauft
Die Einkaufsliste ist umfangreich.
Spieler können unter anderem Rüstungen und Perks, Granaten, Stims, Rauchwände und verschiedene Pistolen erwerben.
Dazu kommen Schrotflinten, LMGs, Marksman Rifles, SMGs und verschiedene Sturmgewehre.
Sogar ein Scharfschützengewehr kann gekauft werden.
Als Teamkauf steht außerdem eine UAV-Drohne zur Verfügung.
Die Entscheidung lautet damit nicht mehr nur:
Welche Waffe nehme ich?
Sondern:
Spare ich mein Geld für die nächste Runde oder investiere ich jetzt alles?
Genau dieser wirtschaftliche Aspekt gehört seit Jahrzehnten zum Kern von Counter-Strike.
Sterben wird plötzlich richtig teuer
Noch deutlicher wird die Inspiration beim Tod.
Wer ausgeschaltet wird, verliert seine komplette gekaufte Ausrüstung.
Das angesparte Geld bleibt allerdings erhalten.
Damit kann eine teure Waffe innerhalb weniger Sekunden verschwinden.
Und weil es keinerlei Respawns gibt, war es das für die aktuelle Runde ebenfalls.
Keine zweite Chance.
Keine Wiederbelebung.
Kein sofortiges Zurückrennen in den Kampf.
Call of Duty wird damit plötzlich ungewöhnlich langsam und taktisch.
Auch Killstreaks fliegen komplett raus
Collateral entfernt sogar eines der bekanntesten Merkmale der Reihe.
Killstreaks sind deaktiviert.
Ebenso gibt es keine automatische Gesundheitsregeneration und keine benutzerdefinierten Loadouts.
Gerade letzteres ist für Call of Duty ziemlich radikal.
Spieler verbringen normalerweise enorme Mengen Zeit damit, Waffenaufsätze, Perks und Ausrüstung exakt aufeinander abzustimmen.
Collateral wirft dieses System im Grunde über Bord.
Jeder startet bei null.
Wer clever spielt und wirtschaftet, baut sich während des Matches einen Vorteil auf.
Counter-Strike und Valorant lassen ziemlich deutlich grüßen
Activision nennt Counter-Strike oder Valorant in seiner offiziellen Beschreibung natürlich nicht als direkte Vorbilder.
Der Vergleich liegt trotzdem ziemlich offensichtlich auf der Hand.
Bombenplätze.
Kaufphase.
Ingame-Geld.
Waffenverlust beim Tod.
Keine Respawns.
Keine automatische Heilung.
Das sind genau die Systeme, mit denen Counter-Strike seit Jahrzehnten funktioniert und die später auch Valorant aufgegriffen hat.
Der Unterschied liegt vor allem darin, dass Collateral weiterhin auf das typische schnelle Gunplay von Call of Duty setzt.
Das könnte eine ziemlich interessante Mischung ergeben.
Ausgerechnet PS5-Spieler könnten zunächst leer ausgehen
Hier gibt es allerdings einen wichtigen Punkt.
Activision hat Collateral im Rahmen seiner neuen PC-Vorstellung präsentiert.
Insider Gaming berichtet außerdem, dass der Modus zunächst als PC-exklusiv beschrieben wird.
In Activisions ausführlicher offizieller Beschreibung des Modus wird die Plattformbeschränkung allerdings nicht noch einmal ausdrücklich erklärt.
Deshalb würde ich momentan noch nicht behaupten, dass Collateral dauerhaft niemals auf PlayStation 5 oder Xbox erscheint.
Sicher ist:
Der Modus wird aktuell im PC-Kontext beworben und weitere Details sollen vor dem Release folgen.
Modern Warfare 4 selbst erscheint natürlich auch für PS5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2.
Bei PlayStationInfo.de gibt es bereits einen Überblick über Modern Warfare 4 und den Release am 23. Oktober.
Vielleicht testet Activision hier bereits die Zukunft des CoD-Esports
Besonders interessant könnte Collateral langfristig für den kompetitiven Bereich werden.
Search and Destroy gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Modi im Call-of-Duty-Esport.
Collateral nimmt dessen Grundidee und fügt eine vollständige Economy hinzu.
Damit würden Teams nicht nur über Aim und Taktik entscheiden.
Auch die finanzielle Situation innerhalb eines Matches würde plötzlich relevant.
Eine verlorene Runde könnte mehrere folgende Runden beeinflussen.
Genau dadurch entsteht in Counter-Strike ein großer Teil der Spannung.
Ob Activision Collateral tatsächlich in Richtung Call of Duty League entwickeln möchte, ist bislang nicht bestätigt.
Der Modus wirkt allerdings wie ein ziemlich offensichtlicher Kandidat dafür.
Call of Duty probiert plötzlich etwas erstaunlich Mutiges
Call of Duty wird häufig vorgeworfen, jedes Jahr dieselben Systeme neu zu verpacken.
Collateral passt nicht wirklich zu diesem Vorwurf.
Der Modus übernimmt zwar extrem offensichtliche Ideen von zwei Konkurrenten.
Innerhalb von Call of Duty ist diese Kombination trotzdem ungewöhnlich.
Keine Killstreaks.
Keine eigenen Loadouts.
Kein Health-Regen.
Keine Respawns.
Wer schlecht spielt, verliert sogar seine gerade gekaufte Waffe.
Das klingt fast wie Anti-Call-of-Duty.
Und genau deshalb könnte es interessant werden.
Modern Warfare 4 erscheint am 23. Oktober 2026.
Vielleicht bekommen Counter-Strike-Spieler dann plötzlich den bislang ungewöhnlichsten Grund, sich doch einmal Call of Duty anzusehen.
