Wenn Politiker über GTA sprechen, weiß man nie genau, wo die Reise endet.
In Miami Beach führte die geplante Zusammenarbeit rund um GTA 6 nun zu einer Stadtratssitzung, in der über Gewalt gegen Polizisten, Kokain, Videospieler und sogar den mehr als 20 Jahre alten „Hot Coffee“-Skandal diskutiert wurde.
Am Ende fiel die Entscheidung mit 4 zu 3 Stimmen denkbar knapp aus.
Der vielleicht beste Satz des Abends kam allerdings von Commissioner Monica Matteo-Salinas: Man werde schließlich nicht anfangen, in Miami Beach Pistolen und Kokain an Menschen zu verteilen.
Nein, das ist kein GTA-Dialog.
Das wurde tatsächlich bei einer politischen Sitzung gesagt.
Rockstar will GTA 6 ausgerechnet im echten Miami bewerben
Der Hintergrund ist eigentlich relativ logisch.
GTA 6 spielt im fiktiven Bundesstaat Leonida und dessen Vice City basiert unverkennbar auf Florida und Miami.
Rockstar möchte das Spiel deshalb offenbar auch direkt in Miami Beach bewerben.
Im Raum steht eine Kampagne mit einem Volumen von rund drei Millionen US-Dollar.
Dabei soll die Stadt nicht plötzlich mit riesigen GTA-Plakaten zugepflastert werden. Diskutiert wurde unter anderem dezentes Branding auf Sonnenschirmen und Strandstühlen eines privaten Strandbetreibers.
Der Stadtrat stimmte schließlich mit 4 zu 3 dafür, den City Manager entsprechende Verhandlungen mit Rockstar führen zu lassen.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Die Abstimmung war vor allem ein grünes Licht für die weiteren Gespräche.
Ein Politiker zeigte GTA-Szenen als Warnung
Nicht alle Mitglieder waren begeistert.
Commissioner David Suarez argumentierte, GTA stehe für Autodiebstahl, Drogen, Raubüberfälle und Gewalt gegen Polizisten.
Er zeigte während der Sitzung sogar Spielszenen, um seine Bedenken zu untermauern.
Seine Frage: Welches Signal sendet eine Stadt, die viel Geld dafür ausgibt, ihr Image als chaotische Party- und Kriminalitätsmetropole abzuschütteln, wenn sie gleichzeitig ausgerechnet Grand Theft Auto bewirbt?
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Frage natürlich nicht.
Vice City lebt schließlich seit Jahrzehnten davon, eine völlig überzeichnete Version Miamis zu präsentieren.
Dann fiel der Satz mit den Pistolen und dem Kokain
Commissioner Monica Matteo-Salinas sah die Sache deutlich entspannter.
Sie verwies darauf, dass es sich um ein Videospiel und eine Marketingkampagne handele.
Ihre Verteidigung wurde dann ausgesprochen bildlich.
Man mache schließlich kein „Live Action GTA“ aus Miami Beach und verteile weder Pistolen noch Kokain an Menschen.
Der Satz verbreitete sich wenig überraschend schnell online.
Sie bezeichnete sich außerdem selbst als langjährige Spielerin und erinnerte daran, GTA bereits seit den früheren Teilen zu kennen.
Für sie scheint die Sache relativ einfach zu sein: Millionen Menschen spielen GTA, ohne anschließend auf die Idee zu kommen, den Strand in eine Mission aus Vice City zu verwandeln.
Sogar Hot Coffee wurde wieder ausgegraben
Als wäre die Diskussion noch nicht nostalgisch genug, tauchte dabei sogar der alte „Hot Coffee“-Skandal wieder auf.
Die Kontroverse stammt aus der Zeit von GTA: San Andreas und drehte sich um versteckte sexuelle Inhalte, die 2005 zu einer riesigen politischen und medialen Debatte führten.
Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde die Geschichte nun tatsächlich noch einmal hervorgeholt, um über Werbung für GTA 6 zu diskutieren.
Gaming-Geschichte wiederholt sich offenbar nicht.
Sie wartet einfach lange genug, bis irgendwo wieder jemand über GTA sprechen muss.
Am Ende dürften drei Millionen Dollar ziemlich überzeugend sein
Befürworter sehen in der Kooperation vor allem eine wirtschaftliche Chance.
GTA 6 wird unabhängig davon erscheinen, ob Miami Beach mit Rockstar zusammenarbeitet oder nicht.
Vice City bleibt ebenfalls eindeutig von Miami inspiriert.
Die Frage lautet deshalb eher: Soll die echte Stadt davon finanziell profitieren?
Commissioner Joseph Magazine argumentierte entsprechend, dass das weltweite Rampenlicht ohnehin kommen werde.
Für eine Stadt, die das Geld für lokale Projekte verwenden könnte, sind rund drei Millionen Dollar kein vollkommen unattraktives Argument.
GTA 6 schafft es schon vor Release in echte Politik
Das eigentlich Erstaunliche ist deshalb weniger das Ergebnis der Abstimmung.
Es ist die Tatsache, dass GTA 6 inzwischen groß genug ist, um echte politische Sitzungen über Strandstühle, Polizeiarbeit und einen Sex-Skandal aus der PS2-Ära auszulösen.
Und das Spiel ist noch nicht einmal erschienen.
Wenn Rockstar Marketing wollte, dürfte allein diese Debatte schon einen ziemlich ordentlichen Gegenwert geliefert haben.
Die Kampagne selbst könnte am Ende aus ein paar Logos auf Sonnenschirmen bestehen.
Die dazugehörige Diskussion klingt dagegen bereits wie eine Nebenmission aus GTA.
Was hältst du davon? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.
Quelle:https://www.pcgamer.com/games/grand-theft-auto/were-not-giving-away-pistols-and-cocaine-to-people-miami-beach-votes-in-favor-of-grand-theft-auto-6-collab-despite-concerns/
