.NewsPlayStation-Boykott verpufft? Neue Daten sind für die Protestaktion ziemlich bitter

PlayStation-Boykott verpufft? Neue Daten sind für die Protestaktion ziemlich bitter

Eine Woche lang sollte Sony merken, dass Spieler genug haben. PlayStation ausschalten, möglichst nicht ins PSN einloggen und vor allem kein Geld im PlayStation Store lassen: Der sogenannte PlayStation Blackout Ende August sollte ein deutlich sichtbares Zeichen setzen.

Jetzt gibt es erstmals belastbarere Zahlen dazu.

Und zumindest in den USA sieht das Ergebnis für die Protestbewegung ziemlich ernüchternd aus.

Nach Angaben von Circana gab es während des PlayStation Blackouts keine signifikante Veränderung bei der Zahl aktiver Spieler oder beim Engagement auf PlayStation.

Mit anderen Worten: Während in sozialen Netzwerken intensiv über den Boykott diskutiert wurde, scheint sich das tatsächliche Nutzungsverhalten vieler PlayStation-Spieler kaum verändert zu haben.

Circana konnte praktisch keinen Effekt erkennen

Die Aussage stammt von Mat Piscatella, Executive Director beim Marktforschungsunternehmen Circana.

Auf die Frage, ob sich der PlayStation Blackout in den erfassten Daten bemerkbar gemacht habe, fiel seine Antwort ausgesprochen deutlich aus: Es habe keine signifikante Veränderung bei Spielerzahlen oder Engagement gegeben.

Das ist deshalb interessant, weil Circana regelmäßig Daten zum US-Gamingmarkt und zur Nutzung verschiedener Plattformen auswertet.

Genau solche Daten fehlten bislang.

Nach Ende der Protestwoche konnte schließlich niemand seriös sagen, wie viele Menschen tatsächlich ihre PS5 ausgeschaltet hatten. Likes, geteilte Beiträge und Hashtags zeigten zwar, dass das Thema Aufmerksamkeit bekam – nicht aber, wie viele Spieler wirklich mitmachten.

Jetzt gibt es zumindest für den US-Markt eine erste Antwort.

Und dort war der Effekt offenbar so gering, dass er in den von Circana erfassten Nutzungsdaten nicht signifikant sichtbar wurde.

Im Netz war der Boykott deutlich größer als auf der PlayStation

Genau hier wird die Geschichte interessant.

Der PlayStation Blackout hatte vor seinem Start durchaus Reichweite. Die Aktion wurde auf Reddit, X und anderen Plattformen diskutiert, geteilt und teilweise leidenschaftlich verteidigt.

Die Idee war simpel: Wenn genügend Spieler gleichzeitig ihre Konsolen ausschalten, müsste Sony einen deutlichen Rückgang bei der Aktivität sehen.

Doch Social-Media-Reichweite ist eben nicht automatisch echte Teilnahme.

Jemand kann einen Beitrag gegen Sonys Digitalstrategie teilen und wenige Stunden später trotzdem EA Sports FC, Call of Duty oder ein anderes Spiel auf seiner PS5 starten.

Ein Like kostet wenige Sekunden.

Eine Woche lang auf die eigene Konsole zu verzichten, obwohl man sie bereits bezahlt hat und eigentlich spielen möchte, ist etwas völlig anderes.

Die neuen Daten legen zumindest für die USA nahe, dass genau an diesem Punkt ein erheblicher Teil der Online-Unterstützung nicht in tatsächliches Verhalten umgeschlagen ist.

Schon zuvor gab es Zweifel an der tatsächlichen Reichweite

Bereits Anfang September hatte eine Analyse des Unternehmens Cyabra zusätzliche Fragen rund um die Kampagne aufgeworfen.

Cyabra untersuchte die Diskussion unter dem Hashtag #PSBlackout und berichtete von nicht authentischen Accounts, die Teile der Debatte verstärkt haben sollen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass der Ärger über Sonys Strategie erfunden war.

Viele Spieler kritisieren seit Monaten die Entwicklung rund um physische Veröffentlichungen, digitale Käufe und die langfristige Frage, wie viel Kontrolle Käufer über ihre Spiele künftig noch besitzen.

Die Analyse zeigt aber, wie vorsichtig große Zahlen aus sozialen Netzwerken bewertet werden müssen.

Wenn eine Kampagne zehntausendfach geteilt wird, heißt das nicht automatisch, dass zehntausende Konsolen tatsächlich ausgeschaltet werden.

War der PlayStation Blackout damit ein kompletter Flop?

Ganz so einfach ist es nicht.

Die Circana-Daten beziehen sich auf Spielerzahlen und Engagement in den USA.

Der Boykott hatte allerdings noch ein zweites Ziel: Teilnehmer sollten möglichst auch auf Käufe im PlayStation Store verzichten.

Ob während der Protestwoche weniger digitale Spiele, DLCs, Mikrotransaktionen oder andere Inhalte verkauft wurden, geht aus den bislang bekannten Daten nicht hervor.

Auch andere Regionen wie Europa sind durch Piscatellas Aussage nicht abgedeckt.

Deshalb lässt sich nicht seriös behaupten, dass die komplette Aktion weltweit keinerlei Wirkung hatte.

Beim sichtbarsten Teil des Blackouts sieht es allerdings schlecht aus.

Das Ziel war schließlich, dass möglichst viele Spieler gleichzeitig offline bleiben und Sony diesen Rückgang bemerkt.

Genau dieser Effekt war in den US-Daten offenbar nicht erkennbar.

Für Sony dürfte das Ergebnis ziemlich angenehm sein

Für Sony selbst ist die Situation zumindest aus dieser Perspektive bequem.

Ein öffentlich diskutierter Boykott klingt zunächst unangenehm. Wenn sich diese Kritik anschließend aber nicht sichtbar auf aktive Nutzer auswirkt, entsteht für ein Unternehmen deutlich weniger unmittelbarer Druck.

Besonders interessant wird deshalb die langfristige Frage.

Denn die eigentliche Diskussion hinter dem Blackout verschwindet mit diesen Zahlen nicht automatisch.

Der Widerstand gegen eine zunehmend digitale Zukunft, die Sorge um physische Spiele und die Frage nach Besitzrechten werden PlayStation vermutlich noch länger begleiten.

Auch auf PlayStationInfo.de wurde bereits ausführlich über die erste Bilanz nach dem Ende des ursprünglichen Boykotts berichtet. Schon damals war das zentrale Problem klar: Es fehlten belastbare Zahlen darüber, wie viele Menschen tatsächlich teilgenommen hatten.

Diese Lücke wird nun zumindest teilweise geschlossen.

Die Organisatoren wollen trotzdem nicht aufgeben

Der ursprüngliche Blackout lief vom 23. bis 30. August 2026.

Danach erklärten die Verantwortlichen hinter der Kampagne, dass der Protest nicht vollständig beendet werden soll. Statt einer begrenzten Aktionswoche wird inzwischen für eine längerfristige Bewegung geworben.

Spieler sollen weiterhin bewusster mit digitalen Käufen umgehen und sich für physische Veröffentlichungen sowie mehr Wahlfreiheit einsetzen.

Damit verändert sich allerdings auch die Strategie.

Ein einwöchiger Blackout lässt sich relativ einfach bewerten: Entweder die Nutzungszahlen brechen sichtbar ein oder eben nicht.

Eine langfristige Kampagne könnte sich dagegen erst über Monate bemerkbar machen – beispielsweise bei Käufen, Abonnements oder irgendwann bei der Entscheidung für oder gegen eine kommende PlayStation-Generation.

Ob es dazu kommt, ist derzeit völlig offen.

Für die ursprüngliche Protestwoche fällt die erste belastbarere Bilanz jedoch eindeutig aus: Trotz großer Aufmerksamkeit im Netz konnte Circana in den USA keinen signifikanten Rückgang bei Spielerzahlen oder Engagement feststellen.

Der PlayStation Blackout war damit online offenbar deutlich lauter als auf den Konsolen selbst.

Was hältst du davon? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

 

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