Digitale Spiele dominieren den Markt immer stärker und physische Veröffentlichungen verlieren zunehmend an Bedeutung. Doch hinter dieser Entwicklung könnten nicht nur Sony, Microsoft und die Publisher stecken. Ein neuer Bericht deutet darauf hin, dass bereits die Herstellung optischer Laufwerke langfristig zu einem Problem für kommende Konsolengenerationen werden könnte.
Wer heute einen Gaming-PC oder ein Notebook kauft, bekommt in den meisten Fällen überhaupt kein optisches Laufwerk mehr.
Auch klassische Blu-ray-Player spielen eine wesentlich kleinere Rolle als noch vor einigen Jahren. Einer der letzten großen Märkte für entsprechende Hardware sind damit ausgerechnet Spielekonsolen wie PlayStation 5 und Xbox Series X.
Doch selbst dort könnte die Nachfrage langfristig nicht mehr ausreichen, um die bisherigen Produktionsstrukturen aufrechtzuerhalten.
Produktionslinien für Laufwerke verschwinden offenbar
Nach Informationen von Jez Corden von Windows Central ziehen sich Hersteller zunehmend aus der Produktion bestimmter Komponenten für optische Laufwerke zurück.
Corden beruft sich dabei auf Quellen aus dem Xbox-Hardwareumfeld.
Demnach werden vorhandene Produktionskapazitäten teilweise für andere Produkte eingesetzt. Als Beispiel werden Kameralinsen und weitere Komponenten genannt, deren Herstellung für die entsprechenden Unternehmen wirtschaftlich interessanter und besser skalierbar sein soll.
Das würde bedeuten, dass nicht einfach nur weniger Laufwerke verkauft werden. Gleichzeitig könnte auch die industrielle Infrastruktur hinter ihrer Herstellung immer kleiner werden.
Konsolen gehören zu den letzten großen Abnehmern
Die Entwicklung überrascht angesichts des restlichen Elektronikmarktes kaum.
Optische Laufwerke sind aus zahlreichen Produktkategorien nahezu vollständig verschwunden. Software wird heruntergeladen, Filme und Serien werden gestreamt und selbst Betriebssysteme werden schon lange nicht mehr hauptsächlich auf DVDs verkauft.
Entsprechend kleiner wird der Markt für die benötigten Komponenten.
Laut Corden konzentriert sich ein erheblicher Teil der noch vorhandenen Nachfrage mittlerweile auf Konsolen wie PlayStation 5 und Xbox Series X.
Doch auch dort steigt der Anteil digital gekaufter Spiele seit Jahren.
Für Hersteller entsprechender Komponenten könnte es deshalb attraktiver werden, ihre Fabriken auf Produkte mit größeren Wachstumsaussichten umzustellen.
Laufwerke könnten dadurch langfristig teurer werden
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass optische Laufwerke von heute auf morgen verschwinden.
Eine schrumpfende Lieferkette kann allerdings andere Folgen haben.
Gibt es weniger Hersteller und Produktionslinien, könnten bestimmte Bauteile langfristig schwieriger oder teurer zu beschaffen sein. Für einen Konsolenhersteller, der Millionen Geräte produzieren möchte, wäre das durchaus relevant.
Damit könnte irgendwann eine Situation entstehen, in der Sony oder Microsoft nicht nur entscheiden müssen, ob Spieler überhaupt noch ein Laufwerk wollen, sondern auch, ob sich dessen Integration wirtschaftlich weiterhin lohnt.
Besonders interessant wird die Entwicklung bei der PS6
Mit Blick auf Sonys nächste Konsolengeneration bekommt der Bericht zusätzliche Bedeutung.
Sony hat bislang nicht offiziell erklärt, wie die PlayStation 6 beim Thema physische Medien aufgestellt sein wird.
Schon die aktuelle PS5-Generation zeigt allerdings, in welche Richtung sich das Konzept entwickeln könnte. Bei neueren Modellen lässt sich ein Disc-Laufwerk separat mit der Konsole verbinden, während gleichzeitig vollständig digitale Varianten angeboten werden.
Sollte die Nachfrage nach Laufwerken weiter sinken und deren Herstellung komplizierter werden, wäre ein ähnliches oder noch stärker auf digitale Verkäufe ausgerichtetes Konzept bei zukünftiger Hardware denkbar.
Bestätigt ist das bislang nicht.
Die Disc könnte von mehreren Seiten unter Druck geraten
Damit entsteht für physische Spiele eine interessante Situation.
Auf der einen Seite kaufen immer mehr Kunden ihre Spiele digital. Für Plattformbetreiber und Publisher entfallen dabei Herstellung, Transport und Teile des klassischen Einzelhandels.
Auf der anderen Seite könnte nun zusätzlich die Hardware hinter den physischen Datenträgern zunehmend zum Nischenprodukt werden.
Beide Entwicklungen könnten sich gegenseitig verstärken.
Je weniger Geräte ein Laufwerk benötigen, desto unattraktiver wird dessen Produktion. Und je teurer oder komplizierter die Herstellung entsprechender Hardware wird, desto attraktiver werden wiederum vollständig digitale Geräte.
Noch gibt es keinen akuten Engpass bei der PS5
Trotzdem sollte der Bericht nicht als Hinweis verstanden werden, dass Disc-Laufwerke unmittelbar vor dem Aus stehen.
Es gibt derzeit keine offizielle Bestätigung von Sony oder einem großen Hersteller, dass die Produktion von PS5-Laufwerken eingestellt wird.
Auch ein akuter Mangel an Laufwerken wurde nicht bestätigt.
Es geht vielmehr um eine langfristige Entwicklung innerhalb der Lieferkette und die Frage, ob die benötigte Produktionsinfrastruktur auch bei kommenden Konsolengenerationen noch im heutigen Umfang vorhanden sein wird.
Für Fans physischer Spiele dürfte genau das trotzdem beunruhigend sein.
Denn möglicherweise entscheidet über die Zukunft der Spiele-Disc irgendwann nicht mehr allein die Frage, ob Sony und die Spieler sie noch wollen – sondern auch, wer die dafür benötigten Laufwerke überhaupt noch produziert.
Würdet ihr eine PlayStation 6 kaufen, wenn es dafür überhaupt kein Disc-Laufwerk mehr geben sollte?
