Wer bislang dachte, dass KI-Upscaling eines der großen Argumente für die PlayStation 5 Pro bleiben würde, bekommt heute eine ziemlich überraschende Antwort von Sony.
Denn plötzlich bekommt auch die normale PS5 eine eigene KI-basierte Upscaling-Technik.
Sie heißt Quick Spectral Super Resolution – kurz QSSR – und soll Spiele auf der inzwischen fast sechs Jahre alten Standardkonsole schärfer und stabiler darstellen.
Das Ganze ist nicht irgendein Zukunftsprojekt.
Die ersten beiden Spiele unterstützen QSSR bereits ab heute.
Und ausgerechnet Marvel’s Wolverine gehört dazu.
Die normale PS5 bekommt erstmals richtiges KI-Upscaling
Bislang war Sonys KI-Upscaling praktisch ein PS5-Pro-Thema.
PlayStation Spectral Super Resolution, besser bekannt als PSSR, analysiert das berechnete Spielbild und rekonstruiert daraus mithilfe von Machine Learning ein höher aufgelöstes Ergebnis.
Vereinfacht gesagt:
Das Spiel kann intern in einer niedrigeren Auflösung laufen und trotzdem deutlich schärfer auf dem Fernseher aussehen.
Dadurch können Entwickler Rechenleistung beispielsweise für höhere Bildraten, Raytracing oder aufwendigere Effekte verwenden.
Das Problem:
Die normale PS5 besitzt nicht dieselbe für Machine Learning optimierte Hardware wie die PS5 Pro.
PSSR einfach auf die Standardkonsole zu kopieren war deshalb nicht möglich.
Sony hat sich nun offenbar gedacht:
Dann bauen wir eben eine kleinere Version.
QSSR ist praktisch der kleine Bruder von PSSR
Quick Spectral Super Resolution entstand aus Project Amethyst, der gemeinsamen Grafik- und KI-Initiative von Sony und AMD.
Die Technik verwendet laut Sony eine deutlich schlankere Architektur des neuronalen Netzwerks.
Zusätzlich wurde die Implementierung speziell auf die Hardware der ursprünglichen PS5 abgestimmt.
Dadurch benötigt QSSR wesentlich weniger Rechenleistung als PSSR.
Das Ziel bleibt trotzdem ähnlich:
Mehr Details.
Weniger Flimmern.
Ein stabileres Bild während Bewegungen.
Gerade feine Haare, Vegetation, Zäune oder weit entfernte Objekte gehören bei herkömmlichen Upscaling-Techniken häufig zu den schwierigsten Bereichen.
Genau hier soll QSSR ansetzen.
Marvel’s Wolverine bekommt QSSR direkt zum Start
Das prominenteste Beispiel ist Marvel’s Wolverine.
Insomniac Games gehört zu den ersten Studios, die die neue Technologie einsetzen.
Für die Standard-PS5 erscheint ein entsprechender Patch, über den QSSR als zusätzliche Grafikoption ausgewählt werden kann.
Insomniac verspricht dadurch unter anderem mehr Klarheit in besonders detailreichen Umgebungen.
Dazu gehören die Straßen von Madripoor und die engen Gassen von Shinjuku.
Das Studio bezeichnet QSSR sogar als eine Möglichkeit, Besitzern einer normalen PS5 einen kleinen Vorgeschmack auf die Bildqualität der PS5 Pro zu geben.
Genau dieser Satz dürfte Sony allerdings auch ein paar unangenehme Fragen einbringen.
Wofür braucht man dann noch eine PS5 Pro?
Keine Sorge.
Sony macht aus einer normalen PS5 nicht plötzlich kostenlos eine PS5 Pro.
PSSR bleibt die leistungsfähigere Lösung.
Die PS5 Pro verfügt über zusätzliche Hardware, mit der Machine-Learning-Berechnungen deutlich schneller durchgeführt werden können.
QSSR muss dagegen wesentlich stärker mit den vorhandenen Ressourcen der normalen PS5 haushalten.
Erste technische Analysen zeigen deshalb auch klare Grenzen.
Bei Marvel’s Wolverine wurde QSSR beispielsweise mit einer internen Auflösung von ungefähr 864p getestet und daraus ein 1440p-Bild rekonstruiert.
Auf der PS5 Pro kann PSSR dagegen deutlich höhere Zielauflösungen stemmen.
Auch der Rechenaufwand steigt bei QSSR stark an, sobald Entwickler in Richtung 4K gehen.
Die Pro bleibt also Pro.
Die normale PS5 wird lediglich deutlich schlauer.
Trotzdem kann das Ergebnis überraschend gut aussehen
Genau hier wird es interessant.
Digital Foundry konnte QSSR bereits ausprobieren und sieht vor allem bei Marvel’s Wolverine großes Potenzial.
In bestimmten Szenen soll die Bildqualität gegenüber herkömmlichen Upscaling-Verfahren deutlich gewinnen.
Feine Strukturen werden sauberer dargestellt und störendes Flimmern kann reduziert werden.
Der Performance-Preis fällt je nach Spiel und gewünschter Auflösung unterschiedlich aus.
Bei Wolverine benötigte QSSR in einem Test für die Rekonstruktion auf 1440p ungefähr 1,5 bis 1,8 Millisekunden zusätzliche Renderzeit gegenüber Insomniacs bisheriger Upscaling-Lösung.
Das klingt nach wenig.
Bei Spielen mit einem Ziel von 60 FPS zählt allerdings praktisch jede Millisekunde.
Entwickler müssen deshalb weiterhin genau entscheiden, wo sich QSSR lohnt.
Ghost of Yōtei bekommt die Technik ebenfalls
Das zweite Spiel zum Start ist Ghost of Yōtei.
Auch Sucker Punch verteilt heute ein entsprechendes Update für die normale PS5.
Gerade dort könnte QSSR interessant werden.
Die Spielwelt besitzt große Landschaften, Vegetation, Haare, Stoffe und zahlreiche feine Objekte, die sich während der Bewegung ständig verändern.
Sucker Punch erklärt, dass QSSR insbesondere bei solchen Details für mehr Bildstabilität sorgen soll.
Interessant ist allerdings auch:
Ghost of Yōtei besitzt bereits ohne QSSR eine sehr gute Bildqualität.
Der Unterschied dürfte deshalb je nach Grafikmodus deutlich subtiler ausfallen als bei Wolverine.
Entwickler sollen QSSR relativ einfach einbauen können
Vielleicht ist das sogar der wichtigste Punkt der gesamten Ankündigung.
Sony will QSSR nicht auf seine eigenen Studios beschränken.
Die Technologie wird allen PlayStation-Entwicklern zur Verfügung gestellt.
Und die Integration könnte vergleichsweise unkompliziert werden.
Sony hat gegenüber Digital Foundry erklärt, dass QSSR grundsätzlich als eine Art Ersatz für eine bestehende PSSR-Integration eingesetzt werden kann.
Entwickler müssen natürlich weiterhin Einstellungen und beispielsweise Texture Streaming anpassen.
Trotzdem könnte der Aufwand deutlich kleiner ausfallen, als eine komplett neue Upscaling-Technik von Grund auf einzubauen.
Das erhöht die Chance, dass wir QSSR künftig nicht nur in zwei Sony-Spielen sehen.
Und natürlich denken jetzt alle sofort an GTA 6
Die vermutlich interessanteste Frage beantwortet Sony aktuell nicht.
Was passiert mit Spielen wie GTA 6?
Rockstars riesiges Open-World-Spiel dürfte die normale PS5 technisch ordentlich beschäftigen.
Ein besseres Upscaling-Verfahren könnte gerade dort theoretisch helfen, Bildqualität und Performance besser miteinander zu kombinieren.
Bestätigt ist QSSR für GTA 6 allerdings ausdrücklich nicht.
Alles andere wäre momentan reine Spekulation.
Trotzdem könnte genau diese Art von Spiel langfristig zeigen, wie wertvoll Sonys neue Technik wirklich wird.
Eine fast sechs Jahre alte Konsole bekommt noch einmal neue Technik
Vielleicht ist genau das die eigentliche Überraschung.
Die PS5 erschien Ende 2020.
Normalerweise erwartet man in dieser Phase einer Konsolengeneration eher, dass neue Grafiktechnologien der leistungsstärkeren Hardware vorbehalten bleiben.
Sony macht jetzt zumindest teilweise das Gegenteil.
Die PS5 Pro behält weiterhin den technischen Vorteil.
Aber ein Teil der dort verwendeten KI-Idee wandert nun zurück auf die normale PS5.
Wer keine 800 oder 900 Euro für eine Pro-Konsole ausgeben möchte, bekommt damit trotzdem eine neue Möglichkeit für bessere Bildqualität.
Und wenn QSSR künftig wirklich in deutlich mehr Spielen landet, könnte dieses unscheinbare Update am Ende wesentlich wichtiger werden, als es momentan wirkt.
Die normale PS5 ist jedenfalls plötzlich ein kleines bisschen mehr Pro geworden.
Ganz kostenlos.
