Marvel’s Wolverine hat gerade erst seine Krallen ausgefahren und schon wird über die nächste kuriose Gameplay-Entdeckung diskutiert. Nachdem sich Spieler bereits über auffällige Orientierungshilfen und starke Führung lustig gemacht haben, geht es jetzt noch einen Schritt weiter.
Denn bestimmte Sequenzen lassen sich offenbar absolvieren, ohne überhaupt etwas zu tun.
Bei einer Motorrad-Verfolgungsjagd können Spieler den Controller teilweise einfach liegen lassen. Logan fährt weiter, wird von den Streckenbegrenzungen auf Kurs gehalten und erreicht unter günstigen Umständen trotzdem das Ziel.
Und auch bei einer anderen Actionsequenz scheint Wolverine seine Arbeit notfalls selbst zu erledigen.
Kurz gesagt: Logan braucht euch manchmal offenbar gar nicht.
Eine Motorrad-Mission mit eingebautem Autopiloten?
Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt momentan eine Verfolgungsjagd auf dem Motorrad.
Wolverine jagt dabei einem Fahrzeug hinterher, rast durch Verkehr und wird eigentlich vom Spieler gesteuert.
Eigentlich.
Clips zeigen, dass man den Analogstick während großer Teile der Sequenz überhaupt nicht bewegen muss. Logan fährt automatisch nach vorne und die Begrenzungen der Strecke verhindern häufig, dass das Motorrad wirklich vom vorgesehenen Weg abkommt.
So kann die Verfolgung unter Umständen bis zur nächsten Zwischensequenz weiterlaufen, während der Controller unberührt bleibt.
Ganz so absurd wie ein komplett automatisches Spiel ist es allerdings nicht.
Direkte Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen können weiterhin zum Scheitern führen. Wer Pech hat, kommt ohne Eingabe also durchaus nicht bis ans Ziel.
Trotzdem ist allein die Tatsache bemerkenswert, dass eine eigentlich spektakuläre Motorrad-Verfolgungsjagd über längere Abschnitte praktisch ohne Spieler funktioniert.
Selbst QTEs funktionieren teilweise ohne Tastendruck
Noch seltsamer wird es bei einer anderen Szene.
Während Logan in der Luft mit einem Roboter kämpft, erscheinen Quick-Time-Events auf dem Bildschirm. Normalerweise müsste der Spieler die entsprechenden Tasten drücken, damit Wolverine seine Attacken ausführt.
Doch auch hier wurde getestet, was passiert, wenn man einfach nichts macht.
Das Ergebnis: Die Sequenz läuft trotzdem weiter und Logan rammt dem Gegner seine Krallen in den Hals.
Da stellt sich natürlich eine ziemlich naheliegende Frage:
Warum wird überhaupt ein Tastensymbol eingeblendet, wenn das Spiel die Aktion auch ohne Eingabe ausführt?
Genau diese Frage wird inzwischen von Spielern gestellt.
Wolverine steht ohnehin wegen seiner starken Führung in der Kritik
Die Entdeckung fällt ausgerechnet in eine Diskussion, die Marvel’s Wolverine bereits seit den ersten Tests begleitet.
Insomniac führt Spieler teilweise sehr deutlich durch seine Level.
Wolverines Sinne können Wege hervorheben, Hinweise zeigen die Richtung und verschiedene Komfortfunktionen reduzieren die Gefahr, längere Zeit nicht zu wissen, wo es weitergeht.
Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.
Moderne AAA-Spiele versuchen schließlich, möglichst viele Spieler abzuholen und unnötige Frustmomente zu vermeiden.
Bei Wolverine empfinden einige Spieler und Tester die Führung allerdings als zu stark.
Auch in unserem Test bei PlayStationInfo.de gehörte genau dieser Punkt zu den Kritikpunkten. Dort wurde bemängelt, dass das Spiel teilweise sehr genau vorgibt, wohin man laufen oder was man als Nächstes tun soll.
Erst der Heuhaufen und jetzt der Autopilot
Besonders lustig wird die Sache, weil Wolverine erst kurz zuvor wegen genau dieses Themas verspottet wurde.
Der Entwickler von Needle In A Haystack Simulator baute einen speziellen „AAA Mode“ in sein Spiel ein.
Damit wird ausgerechnet ein riesiger Heuhaufen mit auffälligen Markierungen versehen, damit Spieler ihn auf keinen Fall übersehen.
Die Parodie spielt bewusst auf moderne AAA-Spiele und die Diskussion rund um Wolverine an.
Jetzt tauchen nur einen Tag später Clips auf, in denen Spieler tatsächlich den Controller weglegen und bestimmte Wolverine-Sequenzen einfach weiterlaufen lassen können.
Das Timing könnte kaum besser sein.
Nein, Wolverine spielt sich natürlich nicht komplett selbst
Bei aller Freude über die Schlagzeile sollte eines klar sein:
Marvel’s Wolverine ist kein Film, der zufällig einen Controller unterstützt.
Die eigentlichen Kämpfe erfordern weiterhin Eingaben, Gegner müssen attackiert, Angriffe pariert und Fähigkeiten eingesetzt werden.
Auch die Motorrad-Sequenz kann ohne Eingabe scheitern.
Die Clips zeigen lediglich, dass bestimmte stark geskriptete Abschnitte erheblich weniger Interaktion benötigen, als ihre Inszenierung vermuten lässt.
Trotzdem passt die Entdeckung ziemlich perfekt zur aktuellen Debatte.
Wolverine möchte ein brutales Spiel über einen der gefährlichsten Marvel-Charaktere sein.
Gleichzeitig scheint Insomniac manchmal derart sicherstellen zu wollen, dass wirklich jeder Spieler durch die spektakulären Momente kommt, dass Logan im Zweifel einfach alleine weitermacht.
Vielleicht ist weniger Hilfe manchmal mehr
Am Ende ist das Ganze natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Nicht jeder möchte nach Feierabend komplizierte Sprungpassagen wiederholen oder wegen eines verpassten QTEs eine komplette Sequenz noch einmal spielen.
Umgekehrt verlieren spektakuläre Szenen schnell einen Teil ihrer Wirkung, wenn der Spieler merkt, dass seine Eingaben kaum eine Rolle spielen.
Und genau da trifft die Kritik Wolverine momentan ziemlich hart.
Ein Actionheld, der praktisch alles alleine schafft, passt hervorragend zu Logan.
Ein Actionspiel, das gelegentlich dasselbe tut, vielleicht etwas weniger.
