Tausende Spiele, jede Menge KI-Inhalte und immer mehr fragwürdige Kopien: Auf Steam scheint langsam ein Problem zu entstehen, das einigen Entwicklern gewaltig auf die Nerven geht. Jetzt meldet sich ausgerechnet ein ehemaliger Valve-Mitarbeiter zu Wort und findet ziemlich deutliche Worte für die Entwicklung der Gaming-Plattform.
Chet Faliszek, der unter anderem an Half-Life, Portal und Left 4 Dead beteiligt war, kritisiert die zunehmende Masse an minderwertigen Spielen und KI-generierten Inhalten. Besonders das jüngste Steam Next Fest hat ihm offenbar gezeigt, wohin sich die Plattform entwickeln könnte.
Seine größte Sorge ist dabei nicht einmal, dass Spieler plötzlich mehr schlechte Spiele entdecken. Vielmehr könnte Steam für kleine, kreative Entwickler zunehmend zu einem Albtraum werden.
Über 8.000 Spiele – und mittendrin jede Menge KI-Müll
Das Steam Next Fest soll eigentlich eine ziemlich gute Sache sein. Kleine Studios präsentieren ihre kommenden Spiele, veröffentlichen kostenlose Demos und bekommen die Gelegenheit, neue Fans zu gewinnen.
Doch die Oktober-Ausgabe 2026 hat eine neue Größenordnung erreicht. Während im Juni noch rund 4.300 Demos im Gespräch waren, wurden für das jüngste Festival zeitweise mehr als 8.000 Einträge gezählt.
Eine gewaltige Zahl, die allerdings nicht automatisch etwas über die Qualität der einzelnen Spiele aussagt.
Chet Faliszek sieht trotzdem ein ernstes Problem. In einem aktuellen YouTube-Video beschreibt der frühere Valve-Mitarbeiter das Festival als überladen mit minderwertigen Inhalten, KI-Material und einer kaum noch überschaubaren Masse an Spielen.
Und tatsächlich ist das Thema längst nicht mehr nur eine Diskussion unter Entwicklern.
Auch Spieler beschweren sich darüber, dass zwischen interessanten Indie-Projekten zunehmend Spiele auftauchen, deren Grafiken, Präsentationen oder Spielkonzepte offensichtlich mit KI-Werkzeugen erstellt wurden.
Dabei ist nicht automatisch jedes Spiel schlecht, nur weil künstliche Intelligenz bei der Entwicklung eingesetzt wurde. Problematisch wird es vor allem dann, wenn möglichst schnell produzierte Kopien und unfertige Projekte die Aufmerksamkeit von Spielen abziehen, in denen jahrelange Arbeit steckt.
Steam könnte bald wie der Mobile-Gaming-Markt aussehen
Besonders interessant ist Faliszeks Vergleich mit dem Mobile-Gaming-Markt.
Dort dominieren in vielen Bereichen längst Geschäftsmodelle, bei denen es weniger um kreative Spielideen als um Nutzergewinnung, Werbung und möglichst effiziente Monetarisierung geht.
Erfolgreiche Konzepte werden kopiert, leicht verändert und möglichst schnell erneut veröffentlicht.
Genau diese Entwicklung befürchtet der ehemalige Valve-Mitarbeiter nun auch auf dem PC.
Früher habe Steam kleineren Entwicklern die Möglichkeit geboten, allein durch ein gutes Spiel Aufmerksamkeit zu bekommen. Wer eine interessante Idee hatte, konnte über Empfehlungen, Spielerbewertungen und Community-Diskussionen langsam wachsen.
Heute reicht das möglicherweise nicht mehr.
Denn wenn tausende Spiele gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen, gewinnt nicht unbedingt das beste Konzept. Stattdessen könnten zunehmend diejenigen erfolgreich sein, die bereits vor der Veröffentlichung über große Communitys, Marketingbudgets oder besonders aggressive Werbestrategien verfügen.
Und genau das wäre für die Indie-Szene eine ziemlich bittere Entwicklung.
Besonders kleine Entwickler könnten die Verlierer sein
Während große Publisher Millionen in Marketing investieren können, leben viele kleine Studios davon, dass Spieler ihre Projekte zufällig entdecken.
Das Steam Next Fest war dafür lange eine hervorragende Gelegenheit.
Eine interessante Demo, ein paar begeisterte Spieler und plötzlich landet ein unbekanntes Indie-Spiel auf tausenden Wunschlisten.
Doch was passiert, wenn eine solche Demo zwischen mehreren tausend anderen Veröffentlichungen verschwindet?
Faliszek befürchtet, dass Entwickler mittlerweile schon eine gewisse Bekanntheit mitbringen müssen, bevor sie überhaupt am Festival teilnehmen. Aus einer Veranstaltung, die unbekannten Spielen Aufmerksamkeit verschaffen sollte, könnte damit zunehmend ein Wettbewerb zwischen bereits sichtbaren Projekten werden.
Noch unangenehmer wird es, wenn erfolgreiche Ideen innerhalb kürzester Zeit kopiert werden.
Moderne KI-Werkzeuge können Entwicklungsprozesse erheblich beschleunigen. Das eröffnet einerseits Möglichkeiten für kreative Einzelentwickler, erleichtert andererseits aber auch die schnelle Produktion einfacher Nachahmungen.
Für Studios, die jahrelang an einem besonderen Konzept arbeiten, ist das keine sonderlich schöne Vorstellung.
Erste Entwickler ziehen bereits Konsequenzen
Dass die Diskussion nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, zeigen verschiedene Vorfälle rund um das jüngste Steam Next Fest.
So berichteten Entwickler darüber, ihre Demos aus Angst vor schnellen Nachahmungen lieber nicht öffentlich zu präsentieren.
Besonders für Gesprächsstoff sorgte außerdem der Fall des Indie-Spiels Needle In A Haystack.
Dessen Entwickler NoGlyph warf einem anderen Studio vor, Teile des eigenen Programmcodes für ein ähnliches Spiel übernommen zu haben.
Nach Angaben des Teams sollen sich in den untersuchten Dateien unter anderem identische Klassennamen, übereinstimmende Funktionen und sogar eigene Fehlermeldungen befunden haben.
NoGlyph erklärte, deshalb eine Urheberrechtsbeschwerde bei Valve eingereicht zu haben.
Ob und in welchem Umfang tatsächlich eine Rechtsverletzung vorliegt, ist damit noch nicht abschließend geklärt. Der Fall zeigt aber, warum kleine Studios zunehmend nervös auf die Möglichkeiten automatisierter Spieleentwicklung reagieren.
Denn eine gute Idee ist schnell kopiert, während sich die ursprünglichen Entwickler möglicherweise jahrelang mit ihrer Umsetzung beschäftigt haben.
Ist Valve die Kontrolle über Steam entglitten?
So weit muss man mit der Kritik allerdings nicht gehen.
Steam bietet weiterhin zahlreiche Möglichkeiten, Spiele zu entdecken, nach persönlichen Interessen zu filtern und über Bewertungen oder Empfehlungen interessante Projekte zu finden.
Auch eine große Auswahl ist zunächst einmal etwas Positives.
Schließlich hat gerade die vergleichsweise offene Plattformpolitik dafür gesorgt, dass auf Steam unzählige ungewöhnliche Indie-Spiele erscheinen konnten, die bei klassischen Publishern wahrscheinlich niemals eine Chance bekommen hätten.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Valve weniger Spiele zulassen sollte.
Vielmehr geht es darum, wie die Plattform künftig mit einer immer größeren Menge an Veröffentlichungen umgehen will.
Denn wenn Spieler erst durch hunderte austauschbare Projekte scrollen müssen, um eine wirklich interessante Demo zu finden, verliert irgendwann auch das beste Entdeckungssystem seinen Reiz.
Für Valve könnte es deshalb zunehmend wichtig werden, hochwertige Projekte besser sichtbar zu machen und gleichzeitig gegen nachweislich rechtsverletzende oder irreführende Angebote vorzugehen.
Die KI ist nicht automatisch der Bösewicht
Bei aller Kritik sollte man einen Punkt nicht vergessen: Künstliche Intelligenz ist nicht grundsätzlich schlecht für Videospiele.
Gerade kleine Entwickler können von Werkzeugen profitieren, die ihnen bei Programmierung, Übersetzungen, Animationen oder anderen zeitaufwendigen Aufgaben helfen.
Ein ambitioniertes Indie-Projekt muss deshalb nicht weniger kreativ sein, nur weil sein Entwickler bestimmte KI-Werkzeuge verwendet.
Der Unterschied liegt vielmehr darin, ob Technologie genutzt wird, um eine eigene Idee besser umzusetzen, oder ob damit möglichst schnell austauschbare Kopien produziert werden.
Und genau hier dürfte die eigentliche Herausforderung für Steam liegen.
Denn sollte sich der PC-Markt tatsächlich immer stärker in Richtung massenhaft produzierter Nachahmungen entwickeln, könnten langfristig ausgerechnet jene kreativen Studios darunter leiden, die Steam einst so erfolgreich gemacht haben.
Chet Faliszeks Warnung ist deshalb mehr als nur ein wütender Kommentar über schlechte KI-Spiele.
Sie wirft die unangenehme Frage auf, ob eine Plattform, auf der theoretisch jeder veröffentlichen kann, irgendwann so überfüllt sein könnte, dass wirklich gute Spiele kaum noch eine Chance bekommen.
Und das wäre für PC-Spieler und Entwickler gleichermaßen eine ziemlich traurige Entwicklung.
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