Wenige Wochen vor dem geplanten Release von GTA 6 muss sich Rockstar Games mit einem unangenehmen Verfahren beschäftigen. Vor einem Arbeitsgericht in Glasgow wird seit dem 10. September über die Entlassung von 31 Beschäftigten verhandelt, die laut Gewerkschaft zuvor an GTA 6 gearbeitet hatten. Die Vorwürfe sind erheblich: Die IWGB spricht unter anderem von rechtswidrigen Kündigungen und einer Benachteiligung von Gewerkschaftsmitgliedern. Rockstar weist das zurück und nennt einen vollkommen anderen Grund für die Entlassungen.
Damit landet ein Konflikt vor Gericht, der Rockstar bereits seit Ende 2025 begleitet.
Im Mittelpunkt stehen 31 ehemalige Beschäftigte und eine entscheidende Frage:
Wurden sie wegen ihrer Gewerkschaftsaktivitäten entlassen – oder weil sie vertrauliche Informationen weitergegeben haben?
Beide Seiten erzählen dazu eine deutlich unterschiedliche Geschichte.
31 Mitarbeiter verloren ihren Job
Die Entlassungen erfolgten im Oktober 2025.
Nach Angaben der Independent Workers’ Union of Great Britain, kurz IWGB, arbeiteten die betroffenen Entwickler zu diesem Zeitpunkt an Grand Theft Auto 6.
Die Gewerkschaft erhebt inzwischen schwere Vorwürfe gegen Rockstar.
Unter anderem geht es um angebliches Blacklisting sowie eine mögliche Benachteiligung beziehungsweise Diskriminierung aufgrund gewerkschaftlicher Aktivitäten.
Zusätzlich kritisiert die IWGB den Ablauf der Kündigungen.
Die betroffenen Mitarbeiter hätten nach Darstellung der Gewerkschaft weder ein gewöhnliches Disziplinarverfahren erhalten noch die Möglichkeit gehabt, gegen ihre Entlassung Berufung einzulegen.
Ob diese Vorwürfe zutreffen, ist nicht entschieden.
Genau darüber wird nun vor Gericht gestritten.
Rockstar erzählt eine völlig andere Geschichte
Rockstar weist den Vorwurf zurück, Mitarbeiter wegen ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit entlassen zu haben.
Nach Darstellung des Unternehmens ging es stattdessen um vertrauliche Informationen.
Beschäftigte sollen Informationen in einer Discord-Gruppe geteilt haben, in der sich nach Rockstars Darstellung auch Personen außerhalb des Unternehmens befanden.
Besonders brisant:
Dabei soll es auch um Funktionen kommender beziehungsweise noch unangekündigter Spiele gegangen sein.
Für Rockstar lag der Grund für die Kündigungen deshalb nicht in der gewerkschaftlichen Organisation der Mitarbeiter, sondern in Verstößen gegen Vertraulichkeitsregeln und entsprechende Verpflichtungen.
Ausgerechnet die Discord-Gruppe wird zum Knackpunkt
Und genau hier prallen die beiden Versionen der Geschichte besonders deutlich aufeinander.
Rockstar stellt den Kommunikationsraum als einen Kanal dar, in dem vertrauliche Informationen Personen außerhalb des Unternehmens zugänglich gemacht worden seien.
Die Gewerkschaft widerspricht.
Nach ihrer Darstellung diente die Discord-Gruppe vor allem dazu, Mitarbeiter zu organisieren und sich über Arbeitsbedingungen auszutauschen.
Das ist für den Fall ein erheblicher Unterschied.
Sollte die Kommunikation tatsächlich geschützte gewerkschaftliche Aktivitäten betroffen haben, könnte das für die Bewertung der Kündigungen relevant sein.
Sollten dagegen vertrauliche Informationen über unangekündigte Rockstar-Projekte an unbefugte Personen weitergegeben worden sein, würde sich die Situation anders darstellen.
Welche Version durch die Beweise gestützt wird, muss nun das Tribunal beurteilen.
Einen ersten Versuch von Rockstar lehnte das Gericht bereits ab
Noch vor der eigentlichen Hauptverhandlung gab es eine interessante Zwischenentscheidung.
Rockstar wollte erreichen, dass ein Teil der Blacklisting-Vorwürfe der IWGB aus dem Verfahren gestrichen wird.
Damit hatte das Unternehmen keinen Erfolg.
Das zuständige Tribunal lehnte den Antrag im Juni 2026 ab.
Die entsprechenden Anschuldigungen dürfen deshalb während der jetzigen Verhandlung geprüft werden.
Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass Rockstar bereits für ein Fehlverhalten verantwortlich gemacht wurde.
Das Gericht entschied zunächst lediglich, dass die betreffenden Punkte Bestandteil des weiteren Verfahrens bleiben dürfen.
Ob die Vorwürfe am Ende tatsächlich bewiesen werden können, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Und das alles unmittelbar vor GTA 6
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt das Verfahren natürlich durch den Zeitpunkt.
Die abschließende Anhörung begann am 10. September 2026 und soll nach Angaben der Gewerkschaft bis zum 16. Oktober laufen.
Etwas mehr als einen Monat später soll GTA 6 erscheinen.
Rockstar plant die Veröffentlichung weiterhin für den 19. November 2026 auf PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Dass die ehemaligen Mitarbeiter laut IWGB an GTA 6 gearbeitet haben, macht die Geschichte zwangsläufig für Fans des Spiels interessant.
Trotzdem sollte daraus kein Zusammenhang konstruiert werden, für den es bislang keine Belege gibt.
Nein, das bedeutet aktuell keine neue GTA-6-Verschiebung
Das Gerichtsverfahren ist momentan kein Hinweis darauf, dass GTA 6 erneut verschoben wird.
Rockstar hat keine entsprechende Verzögerung angekündigt.
Auch ist nicht bekannt, dass die laufende Verhandlung die aktuelle Entwicklung oder Fertigstellung des Spiels beeinträchtigt.
Die Kündigungen liegen ohnehin bereits fast ein Jahr zurück.
Entsprechend sollte aus der zeitlichen Nähe zwischen Gerichtsverfahren und Veröffentlichung kein künstliches Release-Drama gemacht werden.
Für Rockstar ist der Zeitpunkt öffentlich trotzdem alles andere als ideal.
Der Fall könnte weit über GTA 6 hinaus Bedeutung bekommen
Denn eigentlich geht es bei dem Verfahren nicht um GTA 6.
Es geht um Arbeitsrecht.
Die Spielebranche beschäftigt sich seit Jahren verstärkt mit Gewerkschaften und den Arbeitsbedingungen innerhalb großer Studios.
Entsprechend dürfte genau beobachtet werden, wie das Tribunal die Entlassungen bewertet.
Sollte die Gewerkschaft ihre Vorwürfe belegen können, wäre das für Rockstar unangenehm.
Kann Rockstar dagegen nachweisen, dass die Kündigungen tatsächlich unabhängig von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft aufgrund von Verstößen gegen Vertraulichkeitsregeln erfolgten, würde das die Darstellung des Unternehmens stützen.
Momentan ist keine dieser Fragen abschließend beantwortet.
Jetzt treffen die beiden Versionen vor Gericht aufeinander
Genau deshalb dürften die kommenden Wochen interessant werden.
Seit Monaten beschuldigen sich beide Seiten gegenseitig beziehungsweise widersprechen sich bei entscheidenden Punkten.
Nun müssen diese Behauptungen vor einem Tribunal mit Aussagen und Beweismitteln untermauert werden.
Die IWGB möchte zeigen, dass Beschäftigte aufgrund ihrer Gewerkschaftsaktivitäten benachteiligt und rechtswidrig entlassen wurden.
Rockstar möchte dagegen belegen, dass vertrauliche Informationen der tatsächliche Grund für die Kündigungen waren.
Für Rockstar kommt die Auseinandersetzung zu einem denkbar auffälligen Zeitpunkt: Während Millionen Spieler dem GTA-6-Release entgegenfiebern, muss das Unternehmen parallel vor Gericht erklären, warum 31 Mitarbeiter, die laut Gewerkschaft an genau diesem Spiel arbeiteten, ihren Job verloren haben.
GTA 6 soll weiterhin am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen.
Was meint ihr: Glaubt ihr, dass solche arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen in der Gaming-Branche künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken werden?
