Battlefield 2 erschien 2005, die offiziellen Online-Dienste wurden vor mehr als einem Jahrzehnt abgeschaltet und eine Neuauflage von EA ist weit und breit nicht zu sehen.
Die Community hat deshalb offenbar beschlossen, die Sache einfach selbst zu regeln.
Nach rund acht Jahren Reverse Engineering steht eine inoffizielle Open-Source-Version von Battlefield 2 kurz vor der öffentlichen Veröffentlichung. Der Server ist nach Angaben des Entwicklers bereits vollständig neu aufgebaut, Multiplayer funktioniert und sogar originale Battlefield-2-Clients können sich mit der neuen Server-Software verbinden.
Damit könnte einer der beliebtesten Battlefield-Klassiker plötzlich eine Zukunft bekommen, die EA selbst ihm nie gegeben hat.
Battlefield 2 wird praktisch von Grund auf nachgebaut
Hinter dem Projekt steht der Entwickler LifeCoder aus der Back-2-Battlefield-Community.
Statt einfach nur einen weiteren Launcher oder Server-Patch zu bauen, wurde über Jahre versucht, die Funktionsweise des ursprünglichen Spiels per Reverse Engineering nachzubilden.
Das Ergebnis soll schließlich vollständig als Open Source veröffentlicht werden.
Wichtig ist dabei:
EA veröffentlicht nicht plötzlich den Original-Quellcode von Battlefield 2.
Das Projekt ist eine unabhängige Rekonstruktion und nicht offiziell mit Electronic Arts oder DICE verbunden.
Der Entwickler spricht inzwischen trotzdem von einem Zustand, der einer öffentlichen Veröffentlichung ziemlich nahekommt.
Der Server ist bereits zu 100 Prozent fertig
Am weitesten ist offenbar die Server-Seite.
Der rekonstruierte Dedicated Server wird vom Entwickler als vollständig bezeichnet und läuft bereits als native 64-Bit-Anwendung unter Windows.
Beim Client fehlt dagegen noch etwas Arbeit.
Dieser läuft derzeit weiterhin in 32 Bit, soll aber bereits auf den meisten normalen Battlefield-2-Karten funktionieren.
Eine native 64-Bit-Version ist geplant.
Langfristig sollen sogar eigene Builds für Linux und macOS möglich werden.
Für einen Shooter aus dem Jahr 2005 ist das eine ziemlich gewaltige Modernisierung.
Sogar das originale Battlefield 2 darf mitspielen
Besonders interessant ist die Kompatibilität.
Das neue Projekt soll nicht einfach ein separates Battlefield 2 erschaffen, bei dem sich die Community anschließend zwischen alter und neuer Version entscheiden muss.
LifeCoder möchte beide Welten miteinander verbinden.
In einer aktuellen Demonstration wurde gezeigt, wie ein originaler Retail-Client von Battlefield 2 über einen BF2Hub-Account auf einem rekonstruierten Server spielt.
Auch umgekehrt soll die neue Software möglichst kompatibel mit vorhandener Infrastruktur bleiben.
Damit könnten Serverbetreiber schrittweise wechseln, ohne dass sämtliche Spieler gleichzeitig neue Clients installieren müssen.
Alte Mods sollen einfach weiter funktionieren
Noch spannender dürfte die Geschichte für die Modding-Community werden.
Nach Angaben des Entwicklers sollen bestehende Battlefield-2-Mods weitgehend direkt funktionieren.
Ausdrücklich genannt wird sogar die Erweiterung Special Forces.
Auch verschiedene GameSpy-kompatible Backends wie BF2Hub sollen unterstützt werden.
Das könnte Battlefield 2 nicht nur am Leben halten, sondern der inzwischen über 20 Jahre alten Modding-Szene völlig neue Möglichkeiten eröffnen.
Wenn der Quellcode tatsächlich öffentlich zugänglich ist, können Entwickler schließlich viel tiefer in das Spiel eingreifen als mit klassischen Mods.
Neue Werkzeuge, technische Verbesserungen und umfangreichere Fan-Projekte wären damit grundsätzlich möglich.
Die offiziellen Server sind bereits seit 2014 Geschichte
Battlefield 2 war eines von zahlreichen Spielen, die vom Ende von GameSpy betroffen waren.
Als der Dienst 2014 eingestellt wurde, verschwanden auch die offiziellen Online-Funktionen des Shooters.
Die Community ließ sich davon allerdings nicht besonders beeindrucken.
Projekte wie BF2Hub und andere alternative Serverlösungen hielten den Multiplayer über Jahre weiter am Leben.
Die neue Open-Source-Umsetzung geht nun einen erheblichen Schritt weiter.
Statt lediglich die fehlende Server-Infrastruktur zu ersetzen, wird nun auch ein großer Teil der eigentlichen Software neu aufgebaut.
PunkBuster fliegt ebenfalls raus
Auch einige Relikte aus dem Jahr 2005 werden nicht zwanghaft konserviert.
PunkBuster ist in der neuen Umsetzung deaktiviert.
Der Entwickler möchte stattdessen bekannte Sicherheitslücken schließen und langfristig modernere Anti-Cheat-Lösungen ermöglichen.
Genau hier liegt momentan allerdings auch einer der Gründe, warum der Quellcode noch nicht öffentlich verfügbar ist.
Das Repository bleibt zunächst privat, während noch vorhandene Sicherheitsprobleme beseitigt werden.
Einige Mod-Entwickler besitzen bereits Zugriff, die breite Öffentlichkeit muss sich aber noch gedulden.
Einen Release-Termin gibt es noch nicht
„Kurz vor Veröffentlichung“ bedeutet deshalb nicht, dass ihr Battlefield 2 heute Abend bereits von GitHub herunterladen könnt.
Ein konkretes Datum wurde bislang nicht genannt.
Geplant ist eine Veröffentlichung über GitHub unter der GPLv3-Lizenz.
Zusätzlich sollen fertige Builds und automatische Updates angeboten werden.
Das Ganze soll für Spieler und Serverbetreiber kostenlos zur Verfügung stehen.
Auch Gameplay-Bugs existieren laut Entwickler weiterhin.
Das Projekt ist spielbar, aber noch nicht vollständig fertig.
Battlefield 2 wird dadurch nicht plötzlich zum kostenlosen Vollspiel
Auch das sollte man auseinanderhalten.
Die Open-Source-Veröffentlichung ersetzt nicht automatisch sämtliche Inhalte von Battlefield 2.
Es geht um den rekonstruierten Programmcode beziehungsweise die technische Basis des Spiels.
Originale Assets, Karten, Sounds und andere urheberrechtlich geschützte Inhalte von EA werden dadurch nicht plötzlich frei verfügbar.
Wer von einem komplett kostenlosen offiziellen Battlefield 2 auf Steam träumt, bekommt hier also etwas anderes.
Für Spieleerhaltung und Modding könnte das Projekt trotzdem erheblich spannender sein.
Ausgerechnet Fans sichern Battlefield für die Zukunft
Das Timing ist fast schon ein bisschen ironisch.
Während EA mit Battlefield 6 längst beim aktuellen Teil der Serie angekommen ist, investieren Fans Jahre ihrer Freizeit darin, ein Battlefield aus dem Jahr 2005 für moderne Systeme zu retten.
Und vielleicht liegt genau darin der Reiz.
Keine Battle Passes.
Keine saisonalen Skins.
Keine ständig wechselnden Shops.
Einfach Battlefield 2, moderne Server und eine Community, die künftig sogar selbst am Quellcode arbeiten kann.
Ob EA das Projekt langfristig einfach laufen lässt, bleibt natürlich abzuwarten.
Bislang gibt es jedenfalls keine öffentliche Ankündigung des Publishers, gegen die geplante Open-Source-Veröffentlichung vorzugehen.
Wenn alles wie geplant funktioniert, könnte Battlefield 2 nach mehr als 20 Jahren deshalb ausgerechnet 2026 eine seiner größten technischen Aktualisierungen überhaupt bekommen.
Nur eben nicht von EA.
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